Es war die Hölle

Ein Thema über das man nicht gerne spricht. In meinem Fall schon garnicht. Warum ich es trotzdem tue? Vielleicht gibt es irgendeinen Menschen, der genau das selbe durchmacht wie ich damals und vielleicht ist bei ihm auch der kleine, simple Grund dafür verantwortlich, nach dem ich ca. 12 Jahre suchen musste und dabei zeitweise nicht mehr wollte …

Etwa 12 Jahre lang litt ich unter chronischem Durchfall. An Tagen, an denen ich kein Durchfall hatte, hatte ich Verstopfung.

Ich besuchte unzählige Ärzte, Heilpraktiker, bekam etliche Tests gemacht und als keiner mehr weiter wusste, bekam ich nur noch die Diagnose „psychisch bedingt“.

Ich wusste, dass es nicht von der Psyche kam. Das sagte mir mein Bauchgefühl. Sicher ist aber, dass meine psychische Verfassung immer schlechter wurde, da mein soziales Leben immer eingeschränkter wurde. Ich wollte nicht mehr außer Haus essen gehen. Ich mied Einladungen, auf Partys hungerte ich, weil ich mich nicht traute etwas zu essen und somit vermied ich die Krämpfe durch den den Durchfall, hatte aber Bauchweh vor Hunger. Ich zweifelte an mir. Ich hatte immer weniger Spaß an Ausflügen, Unternehmungen, Urlaub. Egal wo ich hin ging, suchte ich immer nach der nächsten Toilette für den Notfall. Bei einem Spezialisten bekam ich dann die Diagnosen „Fruktoseintoleranz, Milcheiweißallergie, Histaminunverträglichkeit“ Wer sich ein wenig in diesem Themengebiet auskennt, der weiß, dass diese Kombination Dir nahezu jeglichen Genuss von verschiedensten Nahrungsmitteln untersagte. Ich wollte nicht mehr. Mein Leben lang nur noch von Reiswaffeln ernähren? Der Gedanke machte mich fertig.

2014 wurde ich mit unserem ersten Sohn schwanger. Und ich stellte plötzlich fest, dass der Durchfall nicht mehr da war. Egal was ich aß, keine Probleme! Dies bescherte mir eine Gewichtszunahme während der Schwangerschaft von 35 kg. Ich war so glücklich einfach alles essen zu können, was mir schmeckte, auch außerhalb unserer eigenen vier Wände.

Die ersten Wochen nach der Entbindung blieb auch alles bestens. Etwas 3-4 Monate danach fing es wieder von vorne an. Ich war so verzweifelt. Die Ärzte sagten mir, dass es von der Hormonumstellung während der Schwangerschaft oft so sei, dass körperliche Probleme weg gingen, diese aber danach wieder auftauchten. Alle übersahen eine winzige Kleinigkeit, auch ich …

Als ich abermals alle Veränderungen mit meiner Freundin besprach, fiel ihr auf, dass ich nicht nur schwanger war, sondern im Zuge dessen auch natürlich keine Pille genommen hatte. Es war nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber ich hatte nichts zu verlieren und entschied mich daher sofort die Pille wieder abzusetzen. Meine Frauenärztin sagte mir, dass es 3 Monate dauert, bis die Hormone aus dem Körper seien.

Nach genau 3 Monaten verschwand meine Magen-Darm- Problematik von heute auf morgen und trat nie wieder auf.

Ich bin unsagbar glücklich, dass ich dadurch wieder ein normales Leben führen konnte ohne die ständige Angst im Nacken. Seit 2015 nehme ich keine Pille mehr und das Problem trat seit dem nicht mehr auf.

Die Sache mit der Psyche 2 …

oder mach dir doch nicht so viel Stress …

Nunja, also hatte ich nun die ärztliche Diagnose „weniger Stress“, eine einfache Sache … oder ?

Wie oft habe ich in den vergangenen Jahren gehört „du machst zu viel“, „entspann dich doch mal“ und ich war sehr gewillt diesen gut gemeinten Ratschlägen zu folgen … nur wie?

Zu meinen Aufgaben gehörten: Beruf (Lehrerin), Mama (damals noch von einem Kleinkind), Haushalt, Garten, Rechnungen, Versicherungen, Einkäufe, Ehefrau und Beschäftigen und Auslasten des Hundes. Nebenbei sollten auch mindestens wöchentliche Besuche bei Eltern, Omas und Freunden nicht vernachlässigt werden, Zeit für das Äußerliche (es könnte ja jemand denken, dass man sich als Mama „gehen lässt), viel Sport ist sowieso wichtig und für den Afterbaby-Body unverzichtbar. Nun kann dem Kind aber auch kein Fertigessen gereicht werden, der Hund sollte niemals langweilig immer die selbe Strecke gehen müssen und es sollte sportlich gesehen, wohl mindestens auch ein Halbmarathon angestrebt werden.

Vielleicht schmunzelt man bei der Aufzählung der Dinge, aber ich wollte, dass alles „perfekt“ ist. Ich wollte alle Aufgaben nicht nur erledigen, sondern perfektionieren. Also trieb es mich in die Online-Welt um Inspirationen zu sammeln. Ich wollte Sport betreiben, wie die Fitnessblogger. Ich wollte Kochen wie die Kochblogger. Ich wollte mein Hund auslasten, wie die Hundetrainer, …

Der Berg vor mir wurde immer höher, die To do Listen immer länger …

Die Sache mit der Psyche 1

Der Rücken schmerzt, der Nacken ist steif, die Ohren piepsen, die Verdauung täglich ein neues Highlight (leider nie ein schönes). Nun war ich gerade 30 Jahre alt und plagte mich mit diversen körperlichen Symptomen. Selbst meine Oma mit ihren 80 Jahren wirkte körperlich fitter als ich. Daher suchte ich zunächst einen Allgemeinmediziner auf. Er nahm meine Beschwerden ernst und untersuchte sowohl Blut als auch die inneren Organe, es wurde Ultraschall gemacht, … als ich zur Besprechung der Ergebnisse bei ihm war, verkündete er mir freundlich und fröhlich, dass alles in bester Ordnung sei und ich „kerngesund“. Meine Reaktion darauf fiel unerwartet aus, denn der einzige im Raum, der sich darüber freute, war scheinbar der Mediziner. Ich war von dieser, objektiv gesehen, freudigen Nachricht enttäuscht, niedergeschlagen, denn meine Beschwerden waren doch da, ich spürte sie doch tagtäglich und sie erschwerten meinen Alltag doch sehr. Als er meine Reaktion bemerkte, fügte er hinzu, dass ich einfach „zu viel Stress hätte“, was für eine berufstätige Mama mit Hund und Haus normal sei und ich solle doch mal etwas „entspannen“. So verabschiedete er mich aus seiner Praxis und ich wusste wie so oft zu dieser Zeit, nicht mehr wohin mit mir.

Also ging ich nach Hause, putzte das Haus und funktionierte weiter … so wie immer … denn das kannte ich, das gab mir eine gewisse Sicherheit und Halt …

Das Abenteuer beginnt

Ich sitze auf meiner Terrasse und genieße den Abend. Die meisten Menschen würde es bei diesem Wetter wohl eher nicht nach draußen treiben und sie kuscheln sich im Winter abends lieber auf die Couch. Ich liebe es jedoch, jeden Abend, egal bei welchem Wetter, neben meinem Heizstrahler die Ruhe zu genießen, die frische Luft. Ich verbringe die Abendstunden in meinem „Outdoor Wohnzimmer“ mit verschiedenen Tätigkeiten. Je nachdem wie meine Lust ist, schaue ich mich durch Instagram Stories, lese ein Buch, höre ein Hörbuch, schreibe Rezepte auf, lese mich in interessante Themen ein, schreibe mit Freunden. Hier an diesem Platz habe ich Höhen und Tiefen gedanklich durchlebt, bin an verschiedenen Themen verzweifelt oder habe freudige Momente erlebt.

Heute ist jedoch ein besonderer Abend auf der Terrasse, denn ich verfasse meinen allerersten Blogbeitrag. Warum ich mich dazu entschieden habe, möchte ich gerne kurz erklären:

Mein Leben war von Anfang an immer sehr strukturiert, klassisch verlaufen. Ich besuchte die Grundschule, das Gymnasium, machte Abitur und studierte anschließend „Lehramt für Grund- und Hauptschulen“. Nach meinem Referendariat begann ich 2012 als Lehrerin an einer Förderschule für Sprachbehinderte Kinder zu unterrichten. Ich heiratete 2013 meinen jetzigen Mann und wir bauten ein Haus. 2014 kam unser erster Sohn zur Welt.

So hatte ich eigentlich immer ein weiteres Ziel vor Augen: Schule abschließen, Studium abschließen, eine gute Arbeitsstelle finden, Heiraten, Kinder, Eigenheim, …

Während meiner Zeit als Schülerin und Studentin freute ich mich unheimlich darauf, wenn der Tag kommen sollte, an dem „alles geschafft“ war, keiner meine Leistung mehr mit Noten beurteilen würde, ich einfach ein ruhiges Leben als Mama, Ehefrau und Lehrerin führen könnte. Keine Angst mehr vor den nächsten Prüfungen, vor dem Versagen, vor dem „Beurteilt“ werden.

Es kam der Tag an dem dieses große Ziel erreicht war … und dann … die große Freude darüber blieb aus. Das Gefühl, dass ich mir viele Jahre vorgestellt hatte, kam nicht im Herzen an. Nun konnte ich entscheiden, mein Leben selbst gestalten, … doch ich hatte es nicht gelernt oder auch verlernt … „wer ich bin“, „was ich liebe/was ich nicht mag“ , …

Es folgten viele Jahre mit etlichen Höhen und Tiefen. Ich funktionierte. Aber ich lebte nicht mehr. Ich vermisste meine Freude, meine Euphorie und machte mich auf die Suche nach dem „Warum“. Ich habe sehr viele Erfahrungen gemacht, schöne und unschöne.

Mit diesem Blog möchte ich die verschiedensten Themen aufgreifen, mit denen ich mich beschäftigt habe, um sie für mich festhalten zu können, um mich immer wieder erinnern zu können was ich gelernt habe, was ich erlebt habe, denn oft geht in unserem Alltag der Blick für die „besonderen Gedanken, Momente und Erlebnisse“ verloren.

Ich könnte meine Gedanken natürlich auch in ein Büchlein für mich allein und geheim aufschreiben. Ich habe mich jedoch dazu entschieden, es öffentlich zu schreiben, denn wenn ich nur einen einzigen Menschen inspirieren könnte, einem einzigen Menschen durch meine Erfahrungen weiterhelfen könnte, einem einzigen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern, dann würde ich unendlich dankbar darüber sein. Ich weiß wie wertvoll so etwas sein kann, denn auch ich bin froh, dass es Menschen gibt, die durch ihre Posts/Blogs mir neue Anregungen geben konnten.

Der Blog ist ein Dank an alle Menschen, die mich auf meinem Weg begleitet haben und mir geholfen haben. Danke!